Der Geldsklave – vierter Teil

Die Lady hatte in weiser Voraussicht einen Regenschirm mitgenommen. Alles in allem war sie dennoch passender für den Dauerregen gekleidet, trug sie doch einen langen, dennoch elegant-dünnen Ledermantel. Ihr Haar blieb trocken, denn während sie nun gekonnt und gelassen auf ihren Highheels von Geschäft zu Geschäft schlenderte, stand neben ihr der Sklavenanwärter und hielt den Schirm aufgespannt.

Der Sklave war nur in Hemd und Hose und einer dünnen Jacke, beinahe durchgeweicht, wagte es jedoch nicht den Schirm in seine Richtung zu bewegen.

Für ihn  lief sein Antrittsbesuch oder Vorstellungsgespräch, oder was immer er sich nach seiner Bewerbungs-mail vorgestellt hatte, vollkommen anders ab als erwartet. Seit er die erste SMS der Lady erhalten hatte, war er nur noch im Sklavenmodus, genoss geradezu den Kontrollverlust und den Ansporn der Herrin alles zu ihrer Zufriedenheit zu erledigen. Als sie auf der Fahrt in die Stadt sich sein Portemonnaie nach hinten reichen ließ tat er dies ohne zu Zögern, die Lady würde sicher die Angaben seiner Bewerbungsmail nachprüfen. Als sie ihn beim Aussteigen mit der Hundepeitsche bestrafte, nahm er dies auf Knien entgegen, wusste er, dass sein Versäumnis der gnädigen Herrin die Wagentür zu öffnen, absolut dazu Anlass bot.

Nun jedoch war er plötzlich allein. Er stand im Regen vor einer Parfümerie, den Schirm hatte Patricia ihm freundlicherweise gelassen. Die Herrin hatte ihn dort geparkt, abgestellt wie ein Pferd. Sie war allein in den Laden gegangen. “Du wartest hier” hatte sie gesagt, und nun eine halbe Stunde später,  kam er sich einmal so deplaziert vor. Er spürte die neugierigen Blicke der Passanten, ob seiner durchweichten und merkwürdigen Erscheinung. Langsam spürte er, wie der Gedanke an Ungehorsam aufkam. Die Herrscherin war ihm mit einer solchen Kühle und Arroganz begegnet, hatte ihn taxiert wie ein Besitzstück. Kein Wort der Anerkennung, knappe Kommandos, einmal die Peitsche. Wo waren seine Fantasien der Herrin auf Knien Tribute zu leisten und dafür Lob zu erhalten? Was tat er hier eigentlich allein in der Dunkelheit? Sein Handy gab einen Klingelotn von sich, er sah darauf :

“Du kommst rein zum bezahlen”

Plötzlich lief es ihm heiß den Rücken hinab – er sah auf, sah durch die Eingangstür in das hell erleuchtete Kosmetikgeschäft, sah direkt in die Augen der Herrin, die mit dem Finger nur eine einzige Bewegung machte, ihn unmissverständlich zu sich, zur Kasse zitierend. Wie an einer unsichtbaren Leine gezogen setzte er sich in Bewegung.

Er sah schon weitem die beiden Verkäuferinnen, beide vielleicht um die zwanzig, die ihre Blick fest auf ihn gerichtet hatten – die Situation ließ keinerlei Missverständnisse zu. Natürlich hatte die Herrin die Damen in das besondere Einkaufsverhältnis eingewiesen. Er spürte die neugierigen Blicke auf sich, und konnte und wollte dennoch nicht mehr zurück.

“Warum dauert das so lange ?”, zischte die Herrin, schob ihn förmlich an die Kasse, wo der Betrag schon von der Kasse in das Karten-Lesegerät gewandert war. Fünfhundertachzig Euro – er musste schlucken, sah die Artikel angedeutet in den Einkaufstaschen. Ein Prickeln ging durch seine devote Existenz, als der Betrag den Besitzer wechselte, er den Reichtum der Herrin mehrte. Nun waren ihm die amüsierten Blicke der Damen egal, er genoss die Nähe seiner zukünftigen Besitzerin, sog ihren Geruch nach Parfüm und Leder ein.

“Gut gemacht mein Wurm”, flüsterte Patricia ihm ins Ohr “Ich glaube deine Bewerbung hat gute Chancen”, dabei tätschelte sie ihm sanft die Wange.

“Mach der das öfters?” Eine Stimme, mit ausländischem Akzent in seinem Rücken.

Er sah sich erschrocken um, blickte auf zwei junge Damen, wahrscheinlich Schülerinnen. Die beiden standen Kaugummi kauend hinter ihm, in Kapuzenpullis und Jeans und weißen Turnschuhen gekleidet. Sie hatten das Geschehen offensichtlich beobachtet denn das genüssliche Grinsen über ihren Gesichtern sprach Bände. Der Sklave brachte kein Wort heraus, merkte dann,  dass er gar nicht angesprochen worden war.

Der Griff der Herrin in seinem Nacken war eisern. “Habe ich dir erlaubt dich umzusehen?” sagte sie so laut, dass wirklich der ganze Laden es hätte hören können, wären noch andere Kunden dort gewesen. Das Kichern in seinem Rücken wurde lauter und ungehemmter. Er sagte nichts mehr, hielt die Frage für eine rhetorische. “Ich habe dir eine Frage gestellt!”.

“Nein, Herrin, der Sklave bittet um Verzeihung” , stammelte er.

Die Lady antwortete den Mädels die nun über das ganze Gesicht grinsten – “Ja, das macht der öfters, das macht ihn sogar geil, nicht wahr?”.

Die Antwort kam ohne zögern “Ja, Herrin”.

“Und du würdest den beiden Damen hier doch sicher die Einkäufe bezahlen, dafür, dass du sie so schamlos angestarrt hast ?”.

Der Sklave wäre nun am liebsten im Erdboden versunken, tiefrot im Gesicht blieb ihm nichts anderes übrig als einzuwilligen.

“Ich glaub das hier nicht…”, sagte die jüngere der beiden eine vielleicht 18 jährige Türkin, lud schnell die Einkäufe vor der amüsierten Kassiererin ab, während ihre Freundin schnell und ungeniert ihren Einkaufskorb mit einem Flakon ihres Lieblingsparfums, dass sie sich sonst nicht leisten könnte, aufstockte. Als alles eingescannt war, standen immerhin 160 Euro auf dem Display. Wie um die Sache schnell hinter sich zu bringen, war der Diener schon mit seiner Kreditkarte zur Stelle, doch natürlich war er durchschaut.

“Du zahlst Bar”. Herrin Patricia wusste, dass er genug im Portemonnaie hatte, und hatte bemerkt, dass er sich schnell aus der Situation winden wollte. Doch diese Sklavenbewerbung würde es noch in sich haben.

Er sah in das hämisch grinsende Gesicht der jüngeren, die gerade begann die Möglichkeiten zu erahnen, “Runter auf die Knie, und überreich mir die Kohle”. Er tat wie befohlen, und erst als die andere anfangen wollte dieses Event zu filmen – denn glauben würde ihnen dies sicher niemand – machte die Herrin seiner Erniedrigung ein Ende und führte ihn hinaus in den Schutz der Dunkelheit.

“Knie dich hin.” sagte die Lady leise, den Gehorsam bereits selbstverständlich vorraussetzend. Von  oben herab ruhte ihr Blick ruhig und fest auf dem Sklaven. Eine Handbewegung reichte, und er überreichte ihr ein weiteres Mal seinen Geldbeutel, wo sie sich in Ruhe bediente, ihm die Scheine zeigte die nun in ihren Besitz übergingen. Genau musterte die Fürstin seine Reaktion. Zufrieden sah sie wie er nicht aufmuckte, diesen Moment geradezu zu genießen schien. Als sie ihm das Portemonnaie zurückgab war die Entscheidung gefallen: “Deine Bewerbung ist angenommen. Ich gebe dir ab jetzt 24 Stunden Zeit es dir nochmal anders zu überlegen. Wenn ich nichts von dir höre bist du mein, verstanden?”

“Ja. Herrin, der Sklave hat verstanden”.

“Überleg es dir gut – du hörst von mir”. Mit einer Hand schloss sie ihm die Augenlider, wandte sich um und verschwand in der Nacht.

 

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