Ganz unten im Bunker – Teil 3

Es war lange nach Mitternacht, als die Lady sich in der Dunkelheit dem Bunker näherte.

Nachdem die Scheinwerfer ihres Wagens erloschen waren, hätte niemand sehen können wie sie sich mit langsamen Schritten auf die überwucherte unterirdische Anlage zubewegte.

Lady Patricia war nun ganz in Schwarz gekleidet, sie trug Leder über Leder – Hose, kniehohe Reitstiefel, Bluse, Mantel und Handschuhe. Dass die Lady in der bedeckten Neumondnacht überhaupt etwas erkennen konnte, verdankte sie der Nachtsichtbrille, die sie zuvor angelegt hatte. Bereits aus nächster Nähe konnte man nur die beiden grünen Punkte der Kameralinsen sehen und das Knirschen des Leders hören. Der Gedanke mit dieser Kombination den Häftling zu konfrontieren, erfüllte sie mit solcher dunkler Vorfreude, dass sie ihre Schritte bewusst langsam wählte, um den Moment noch etwas hinauszuzögern.

Den Abend in geselliger Runde hatte die Herrin früher als üblich verlassen, denn die ausgeklügelte Technik in dem Verließ hatte sie darüber informiert, dass der Häftling nun bald an die Grenzen der Belastbarkeit gelangen würde. Zwar hätte sie jederzeit von der Ferne Milde walten lassen können, und die Automatik würde dies ohnehin tun, wenn es zu einer kritischen Situation kommen würde.  Aber bei diesem delikaten Zeitpunkt wollte sie anwesend sein, um den Sklaven seine Grenzen überschreiten zu lassen.

Der Sklave hingegen hatte nun, nach gerade mal neun realen Stunden in Einzelhaft, jeden Bezug zur Außenwelt verloren. Er wusste, dass er Fehler gemacht hatte, die nun dazu führten, dass er hier auf unbestimmte Zeit nicht gesucht werden würde. So hatte er nach dem Camp zwei Wochen Urlaub eingetragen – im Job würde ihn niemand vermissen. Auch gab es seine Freundin, mit der er telefoniert hatte,  gar nicht als Lebensgefährtin – sie war vielmehr eine gute Bekannte. Er hatte diese bei der Herrin bisher immer als seine Freundin vermarktet um sich Erleichterungen zu verschaffen, ein Umstand den er gerade bereute, denn diese Bekannte würde sich nicht nach seinem Verbleib erkundigen.

Solcherlei Gedanken trieben den Sklaven um, nicht wissend wer ihn gefangen hielt, nur ahnend, hoffend, dass es seine Herrin war. Ob die Lady Nachforschungen angestellt hatte? War dies eine Strafe für eine bestimmte Verfehlung oder war er nur ein zufällig ausgewähltes Versuchsobjekt? Je verworrener die Gedanken wurden, desto mehr wünschte er sich die Stimme seiner Besitzerin herbei, deren Anblick sogar deren Duft.

Die Lady schritt nun die letzten Treppenstufen zu der elektrisch verriegelten Schiebetür hinab. Ein Tastendruck auf die Fernsteuerung im iPad startete die Beschallung. In ihrer eigenen festen Stimme, leicht metallisch-robotisch verzerrt, aber mit ihrem Tonfall, ihrem Rhythmus schallte es auf den Sklaven herab.

“Sklaven kooperieren – der Sklave kooperiert”

“Sklaven gehorchen – der Sklave gehorcht”

“Sklaven kriechen – der Sklave kriecht”

“Die Herrin denkt – der Sklave denkt an die Herrin”

In einer Endlosschleife und nachdrücklichen Lautstärke schallten diese Worte in die Nacht der Betonzelle. Nach der totalen Stille zuvor sah die Herrin wie der Sklave auf dem Bildschirm erstarrte. Minute um  Minute ließ die Herrin die Worte auf das Sklavenhirn einwirken, jeden anderen Gedanken verdrängend.

Auf einen Fingerdruck glitt nun die Tür zum Verließ auf, Lady Patricia (die selbstverständlich Gehörschutz trug) trat ein und ließ die Tür einfach offen stehen. Nur sie konnte den Sklaven mittels der Infrarotbrille sehen, und seine Fluchtmöglichkeiten waren durch die Zwangsjacke eher begrenzt.

Mit wenigen Schritten stand sie nun über ihrem Tierchen, breitbeinig, sah wie die Arme in den Ärmeln der Jacke zuckten, in dem Versuch die Ohren zu bedecken.

Wie hilflos der Mensch doch ohne seine Hände ist!

Die Herrin stand über dem Wurm, die Füße in den Stiefeln nur eine Handbreit entfernt von dessen Kopf. Der Sklave sah nichts, hörte über der Beschallung nichts. Die Herrin war ihm so nah wie nie, doch er konnte dies nicht wissen. Und die Herrin zielte.

Ein Speicheltropfen löste sich langsam von dem Lippen der Meisterin, exakt, so dass dieser auf dem hechelnden Sklavenmaul landen würde. Langsam, ganz langsam glitt er herab, erreicht den dürstenden Mund.

Jetzt fing der Sklave an zu schmecken, schmeckte seine Besitzerin – wurde ruhig, drehte den Kopf erst nach links, dann nach rechts, wo die Lady nun ihren Stiefel platziert hatte. Die Wange des Sklaven fühlte Leder. Er reagierte automatisch, glücklich.

Was nun geschah beeindruckte und erfreute die Herrin wie schon lange nichts mehr, die Sklavenzunge, ausgedörrt, durstig glitt aus dem Maul und suchte den Spalt zwischen Stiefelsohle und Boden.

Nun konnte auch die Raumbeleuchtung langsam zugeschaltet werden, das Tonband wurde leiser, und die behandschuhte der Hand der Herrin legte sich auf die Stirn des auf dem Rücken liegenden Sklaventiers. Die Herrin setzte die Nachtsichtbrille ab, sah tief in die Augen des Sklaven, und sprach die Worte:

“Lüge mich nie wieder an!”

Die Rückfahrt aus dem Camp war für den Sklaven etwas ganz besonderes, durfte er doch nur in Hand- und Fußschellen als Beifahrer fahren; denn der Herrin war es zu Riskant ihn in diesem Zustand ans Steuer zu setzen. im Gespräch wurde ihm bewusst, wie lange die Herrin ihn schon durchschaut hatte – und warum sie gerade ihn in den Kerker werfen ließ.

Beim Ausstieg aus dem Wagen, in die Freiheit, stellte er bereits die Frage die ihn die ganze Fahrt über beschäftigt hatte:

“Wann darf der Sklave wieder ins Verließ zurück Herrin?”

Die Herrin lachte nur: “Das merkst du erst wenn es zu spät ist”, und fuhr in die Nacht davon.

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