Ganz unten im Bunker – Erster Teil

Im Kontrollraum lehnte sich Lady Patricia zurück in ihren Chefsessel, genoss das warme Leder auf der Haut. Nach einem ausgiebigen Bad, der richtigen Musik und genau dem richtigen Gläschen Rotwein war sie nun, nur im leichten Kimono bekleidet, zum Zentrum ihres streng geheimen Refugiums herabgestiegen, von wo sie über das Wohlergehen eines Menschen in Gefangenschaft entschied.

Vor ihr erstreckten sich im Halbdunkel eine Reihe von Displays und Monitoren, meistens mit Überwachungskameras verbunden, von denen jeder Winkel des Haftbereiches einsehbar war. Doch das allerwichtigste Instrument war schlicht und flach, ruhte kühl im Schoße der Dame – ein schlichtes iPad. Zu diesem Computer hattte nur sie das Passwort, und die Macht unter ihren Fingerspitzen berauschte sie auf eine tiefgründige, düstere Art und Weise.

Gerade lag ihr Finger nicht auf irgendeiner sinnlosen App, sondern auf dem Regler zur Luftversorgung der würfelförmigen Zelle, in der der Sklave1548 eingesperrt worden war. Die einzige Mitwisserin, Aufseherin Vanessa, hatte ihn vor vier Stunden in die Zelle abgeliefert. Doch auch Vanessa war nur in jenen Bruchteil dieser Anlage eingeweiht, der zu ihrer Aufgabenerfüllung notwendig war. Als sie das Gelände verlassen hatte, war das Spiel nur noch eines zwischen zwei Personen, wobei eine keinerlei, die andere unbegrenzte Macht hatte.

Und auch Wissen ist Macht. 1548 kannte nicht die Uhrzeit, ob und wann er wieder freigelassen würde, er wusste nicht wo er war und wer ihn festhielt. Die Lady hingegen wusste sogar über jeden Atemzug des Sklaven Bescheid, denn Sensoren in dessen Zwangsjacke hielten sie darüber genau in Kenntnis.

Gerade lagen die Fingerspitzen der linken Hand sanft auf den Reglern für Raumtemperatur und die Luftversorgung. Die rechte hielt noch genüsslich eine Zigarette in einer goldenen Spitze, und als diese ausgeraucht war, war es Zeit beide Regler nach unten zu schieben.

Still beobachtete sie die Hauptbildschirme, die den Sklaven aus allen Blickwinkeln zeigten. Die Kameras waren dabei überhaupt nicht getarnt, zu schön war der flehentliche, unsichere, ergebene Blick in die Kameralinse. Den Ton hatte die Herrin abgeschaltet, sie wollte das ständige Gejammer nicht hören, sondern amüsierte sich wie der Mund immer auf und zu ging wie bei einem Fisch im Aquarium.

Und ein Aquarium war es nun wirklich.

3 mal 3 mal 3 Meter, perfekt luftdicht, glatter, dick lackierter Sichtbeton. Als einziges Möbel ein kniehoher Betonsockel mitten im Raum, auf dem der Sklave nun lag wie auf einem Präsentierteller. Die Herrin wusste welche Assoziationen dieses Möbelstück in 1548 hervorrufen würde. Ein “Bett” wie ein Untersuchungstisch, wie ein OP wie ein Altar – wie eine Schlachtbank. Genau im Zentrum der Kameraugen fühlte er sich hier so einsam und verletzlich wie es der Realität entsprach.

Nun begann der Sklave, der zuvor gedöst hatte, eine Veränderung zu bemerken. Die Lady genoss die subtile Bewegung auf dem Bildschirm, als die Temperatur von den standardmäßigen 20 Grad langsam Richtung 15 Grad abfiel. Auch das Geräusch in dem Raum veränderte sich nun, die Lüftung schaltete langsam ab und als die Verschlussklappen in ihre Versiegelungen einschnappten, bekam der Insasse Druck auf die Ohren der ihm die klaustrophobische Dichtheit des Raumes signalisierte.

Er wälzte sich nun, immer noch die Zwangsjacke tragend, von dem Tisch blickte die Kameras an, und als der Fisch im Aquarium wieder zu sprechen und zu bitten anfing, entschied sich die Lady dann doch eine Weile zu lauschen während sie dazu eine kleine Schachtel mit Popcorn öffnete.

 

 

 

 

 

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