Seine erste Begegnung – Erster Teil

Andreas war Mitte dreißig, in üblichen Umständen lebend, und er war sich dennoch bewusst, dass er mit seinem Alltag allein nicht zufrieden war.
Natürlich hatte er bereits das Internet entdeckt, und darin auch das ein oder andere aus der Welt des SM gesucht und auch gefunden.
Er hatte schon oft Kontakt mit Personen aufgenommen, die mehr gewagt hatten als er selbst, aber es nie auf ein reales Treffen ankommen lassen.
Viele Jahre spielte er mit Möglichkeiten und Fantasien, die Realität scheute er, hatte er sich doch an die wärmende
Umgebung der Normalität gekuschelt, in der Strenge, Konsequenz, Züchtigung und Unterwerfung unter die Frau scheinbar
nicht vor zu kommen schienen.
In dieser mit Fantasien angefüllten Zeit hatte er immerhin erkannt, dass seine Gemütlichkeit des Alltags
eigentlich Langeweile, und seine Nachlässigkeit in seinen häuslichen Pflichten nur für ihn selber hinnehmbar war,
aber so gar nicht für sein Umfeld.

Er suchte insgeheim nach Korrektur.

An einem der vielen Abende vor dem Bildschirm, sah er ein kurzes Inserat in einem Forum, das ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte.

“Strenge, Zucht, Disziplin – Lass deine Träume eindringliche Realität werden. / Es erwartet dich Meisterin P.”

Darunter stand eine Telefonnummer sowie ein kleines Foto der Meisterin. Er spürte eine prickelnde Anspannung, als er das Foto betrachtete, die Meisterin blickte ihn auf dem kleinen Bild ruhig und sicher an, bestimmt, aber keineswegs überheblich.
Erst einige Zeit später merkte er, dass er das Bild aus einem weiteren Grund so faszinierend fand.

Das Gebäude, vor dem die Fürstin stand, befand sich eindeutig in seiner kleinen Heimatstadt.

Mit einem Mal, waren seine Fantasien in seine Nähe gerückt, er war somit nicht allein in seiner Welt, und
es gab neben der bekannten Normalität wohl auch die Realität, die die Meisterin erschaffen könnte.

Er kehrte immer wieder zu dem Bild zurück, über die Tage immer häufiger. Andreas begab sich auch an die Stelle, an der die Aufnahme offensichtlich gemacht worden war. Dort gestand er sich ein, dass Fantasie nicht genügen würde.

Er würde den ersten Schritt tun müssen, damit Herrin P. danach seine weiteren Schritte bestimmen könnte.

Seine Finger wählten oft die Telefonnummer, schwebten über dem Anruf-Symbol, und eines Abends drückte er den Knopf
und legte nicht auf, sondern betrachtete das Handy gebannt, bis sich kurz darauf eine Stimme meldete.

Es war das erwartete “Ja ?”, einer kühlen, klar artikulierten Frauenstimme. Diese Stimme hatte sicher schon oft ähnliche Anrufe gehabt, aber für Andreas war es, als ob sein Kloß im Hals durch die Leitung drängte.
Nach etlichen Sekunden schaffte er ein “Hier ist Andreas !” herauszubekommen, worauf seine Gesprächspartnerin ihn
freundlich aber bestimmt nach dem Grund seines Anrufes fragte.
Nun war Andreas endgültig am Ende seiner geistigen Fähigkeiten angelangt, weil er gerade feststellte, dass er
vor dem Wählen der Nummer nicht bedacht hatte, was er der Meisterin eigentlich sagen wollte.

Nach einer halben Minute, in der er nur unverständliches Gestammel zusammenbrachte, hörte er die knappen Worte “Andreas, du stehst übermorgen Abend um Punkt 20 Uhr in der Sterngasse 5 vor der Haustür, dort ist eine Kamera, du wirst einen Strauß Blumen in der Hand halten”.

Als Andreas die Anweisung wiederholen wollte, merkte er, dass die Leitung bereits tot war.

Er musste sich erst einmal setzen, seine Gedanken schwirrten. Als er nach einigen Minuten wieder beisammen war, griff
er nach einem Bleistift und notierte die Anweisungen, denn er hatte den Fehler gemacht, die Angaben nicht sofort zu notieren.
So wurde aus der “Sterngasse 5” eine “Sterngasse 5 oder 15 ?”, – er hatte somit ein Problem.

Die folgenden 40 Stunden vergingen wie im Fluge, der Alltag war scheinbar wie ausgeblendet, zumindest vergingen die Stunden sehr schnell, so dass er zwei Tage später feststellte, dass es nur noch zwei Stunden waren, aber er weder Blumen gekauft, noch die genaue Adresse in Erfahrung gebracht hatte.
Ein Teil von ihm wollte offenbar die Realität nicht akzeptieren, und spielte mit dem Gedanken, den Termin einfach nicht wahrzunehmen. Die stärkere Stimme in seinem Kopf sagte ihm aber, dass er in diesem Fall sich einen weiteren Anruf bei der Meisterin würde sparen können, und dass er sowieso nicht der Typ war, der Termine nicht einhält.

Andreas nutzte die verbleibende Zeit dann doch sinnvoll. Er rasierte sich ordentlich, zog sich wie für eine
abendliche Verabredung an und kaufte einen kleinen aber abwechslungsreichen Blumenstrauß.
Die andere Hälfte seines Gewissens meldete sich ein weiteres Mal und fragte ihn, was er hier eigentlich machte. Außer einer winzigen Anzeige im Internet, und einer Handynummer besaß er doch keine weiteren Informationen. Das kurze Telefonat, dass seinerseits sich ja nur auf vier Worte beschränkt hatte, konnte ja kaum als ernstzunehmende Kommunikation gelten.

” STRENGE ZUCHT DISZIPLIN ” Diese Worte aus dem Inserat waren es, die sich in seinem Kopf wiederholten, und die ihn
nun in die Sterngasse brachen, wo er aus dem Bus gestiegen war.

FORTSETZUNG FOLGT

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